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A-Klasse 4: Der Tabellenführer hat einen Jugendspieler verbotenerweise zwei Mal täglich eingesetzt.

(ty) Im Meisterschaftsrennen der A-Klasse 4 könnte es eine dramatische Wende geben. In diesen Tagen wurde bekannt, dass der FC Schweitenkirchen, mit 25 Punkten aus neun Spielen derzeit Tabellenführer, wohl einen Jugendspieler zu häufig eingesetzt hat. Der Hammer: Ein anonymer Hinweis brachte die gegnerischen Mannschaften und das Sportgericht überhaupt erst auf die Spur. Was ist da los?

Schweitenkirchens Abteilungsleiter Baris Basaran erklärt gegenüber unserer Redaktion: „Es gibt eine Regelung, die vorsieht, dass ein Jugendspieler in den Herrenmannschaften maximal einmal täglich eingesetzt werden darf. Davon hatten weder unsere Abteilungsleitung noch unser Trainerstab oder unsere Jugendleitung Kenntnis. Das Problem ist, dass wir in dieser Saison keine A-Jugend haben und den älteren A-Jugend-Jahrgang zu den Senioren gezogen haben. So ist der Sachverhalt einfach aus unserem Blickfeld gerückt.“

Die betroffene Regelung ist in der Spielordnung wie folgt festgehalten: „Die Junioren dürfen an einem Tag nur in einem Spiel (§ 6 Absatz 2) eingesetzt werden; der Einsatz in jedem weiteren Spiel ist unzulässig.“ Demnach sind die Spiele des FC Schweitenkirchen am 9., 23. und 30. September betroffen: Der eigentliche A-Jugendspieler Kilian Schäffer wurde an diesen Tagen sowohl bei der zweiten als auch bei der ersten Mannschaft eingesetzt. Zwei Mal hatte die Schweitenkirchener Reserve zuerst mit Schäffer in der Startelf gespielt und er wurde im Anschluss noch bei der Ersten eingewechselt. Einmal war es genau anders herum: Erst Erste, dann Zweite.

Kreisvorsitzender Florian Riepl bestätigte gegenüber unserer Zeitung: „Es ist egal, ob ein Verein eine A-Jugend hat oder nicht. Wird in dieser Saison ein Spieler, der im Jahr 2000 geboren wurde und demnach der ältere A-Jugend-Jahrgang ist, in einem Senioren-Spiel eingesetzt, ist das mit Attest und Einverständniserklärung der Eltern in Ordnung. Jeder weitere Einsatz an diesem Tag ist aber unzulässig und somit wird das zweite Spiel, in dem er spielt, als verloren gewertet.“

Für Schweitenkirchen ist es eine kleine Katastrophe: Schließlich wären die vier Punkte aus den Spielen gegen Reichertshausen (4:3) und Scheyern II (0:0) damit weg. Hinzu kommt die Partie der Zweiten (Tabellenführer in der B-Klasse), die am 30. September beim MTV Pfaffenhofen mit 3:0 gewonnen wurde. Auch in diesem Fall wären die Zähler futsch. Das jeweils erste Spiel an den betroffenen Tagen bleibe allerdings von der Wertung unberührt. Basaran sagt: „Das ist einfach nur bitter. Wir sind alle sehr bestürzt, schließlich lief unsere Saison bislang ja bestens. Was mich aber noch sprachloser macht, ist die Tatsache, dass der entscheidende Hinweis wohl anonym verbreitet wurde. Es hat also jemand mit einer unterdrückten Nummer bei bestimmten Leuten angerufen und dann auch noch einen Zettel ohne Umschlag in den Briefkasten des Sportgerichts geworfen. Dazu fällt mir nichts mehr ein.“

In der Tat ging jener Hinweis von unbekannter Seite aus beim Sportgericht ein. Im Schreiben, das auch unserer Redaktion vorliegt, heißt es unter anderem:
„Anonyme Anzeige gem. § 35 Abs. 4 der Rechts- und Verfahrensordnung
Der FC Schweitenkirchen hat in einigen Spielen gegen § 8 Abs. 4 Jugendordnung verstoßen, da er seinen Jugendspieler an einem Tag in zwei Seniorenmannschaften eingesetzt hat.“ Darunter wurden jene sechs betroffenen Begegnungen aufgelistet, am Ende des Schreibens hieß es: „Bitte um Überprüfung und Einleitung eines Verfahrens gegen den FC Schweitenkirchen um auch weiterhin die Einhaltung der Ordnungen des BFV zu gewährleisten.“

Der Tipp von Mr. Unbekannt wurde auch dem TSV Reichertshausen und dem ST Scheyern II übermittelt. Lediglich beim MTV Pfaffenhofen kam man laut Trainer Peter Walter selbst auf den Regelverstoß, da man in der Vergangenheit bereits mit diesem Problem zu tun hatte. Reichertshausens Co-Trainer Max Steffen erklärte gegenüber unserer Redaktion, dass man nach dem Hinweis Protest gegen die 3:4-Pleite eingelegt habe. Beim MTV Pfaffenhofen und ST Scheyern II sei es bislang nicht der Plan gewesen, sich an das Sportgericht zu wenden – aus Gründen der Fairness. Scheyerns Spielertrainer Mathias Hoiß erklärte, dass er „so nicht gewinnen“ wolle. Schäffer war in der betroffenen Partie in der 86. Minute eingewechselt worden. „Wir wollten da nichts machen, weil es lächerlich ist. Ich habe einen Anruf mit dem Hinweis bekommen, die Person hat dann aufgelegt. So etwas habe ich noch nie erlebt“, schildert Hoiß. Wer der Anrufer war, könne er nicht sagen.

 „Die Situation ist für uns jetzt natürlich sehr ärgerlich und alles andere als einfach. Wir haben noch ein bisschen Zeit, um Einspruch einzulegen. Dieses Recht nehmen wir wahr. Nach diesen turbulenten Tagen sind Mannschaft, Vereinsführung und Umfeld aber motivierter denn je. Die Antwort gibt es dann auf dem Platz“, verspricht Basaran. Wie könnte es anders sein – am kommenden Sonntag steht das absolute Topspiel an der Leitlhöhe an, wenn der FCS den Türk SV Pfaffenhofen zum Duell Erster gegen Zweiter erwartet.


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